Künstliche Intelligenz in der Due Diligence
Das Thema KI ist im M&A- und W&I-Versicherungsmarkt endgültig angekommen. In Gesprächen mit Beratenden und Versicherern taucht es inzwischen in nahezu jeder Unterhaltung auf. Der folgende Beitrag fasst zusammen, wie der W&I-Markt mit KI in der Due Diligence umgeht.
Zunehmender Kostendruck auf Due Diligence
Viele Beratende berichten über einen erheblich gestiegenen Kostendruck im Rahmen der Due Diligence. Mandantinnen und Mandanten erwarten hier künftig sowohl schnellere als auch kosteneffizientere Prüfungsergebnisse. Daher investieren große Beratungshäuser und Datenraumanbieter erheblich in entsprechende KI-Tools. Diese können bereits bei der Vorbereitung eines Datenraumes für eine Transaktion vertrauliche Daten oder definierte Begriffe automatisiert schwärzen und die redaktionelle Arbeit beschleunigen.
KI-Tools: typische Outputfehler
- Genauigkeit: KI kann Sachverhalte halluzinieren oder falsch attribuieren.
- Nuancen: Semantische Feinheiten, implizite Risiken und Kontextabhängigkeiten werden derzeit oft nicht erkannt.
- Vertraulichkeit: Das Hochladen sensibler Transaktionsdokumente in externe KI-Systeme kann Datenschutzrisiken bergen.
- Black-Box-Problem: Die fehlende Nachvollziehbarkeit von KI-Schlussfolgerungen erschwert die Qualitätskontrolle.
Auch auf der prüfenden Seite gibt es zahlreiche intelligente Tools, die eigenständig Zusammenfassungen und Übersetzungen erstellen, Einordnungen vornehmen oder einen Abgleich zwischen Due-Diligence-Request-Lists und dem Inhalt des Datenraumes erstellen, um Lücken und Nachverfolgungsbedarf zu identifizieren.
Beratende sind sich weitgehend einig, dass KI die Due Diligence erheblich verbessern wird: Große Datensätze werden in Gänze prüfbar, die Konsistenz erhöht sich, menschliche Fehler werden reduziert und Anomalien können früher erkannt werden. Trotz grundsätzlicher Offenheit gegenüber dem Thema KI bleiben Vorbehalte hinsichtlich der Ergebnisse jedoch weiterhin bestehen.
Sofern im Rahmen einer Transaktion die Nutzung einer W&I-Versicherung vorgesehen ist, sind die Due-Diligence-Reports aller Beratende gegenüber der Versicherung offenzulegen. Neben den Ergebnissen bewertet die W&I-Versicherung auch den Prüfungsumfang und die Prüfungstiefe der Reports im Hinblick auf die abzusichernden Garantien aus dem Kaufvertrag.
W&I-Versicherung
Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüsse bergen regelmäßig unbekannte finanzielle Risiken. W&I-Versicherungen sichern Käuferinnen und Käufern gegen Garantieverletzungen im Unternehmenskaufvertrag ab.
Mehr erfahrenTransparenz ist entscheidend
Versicherer erwarten daher zunehmend, dass offengelegt wird, an welcher Stelle und auf welche Art KI eingesetzt wurde, welche Tools zum Einsatz kamen und wie Genauigkeit oder Zuverlässigkeit validiert wurde.
Ein verantwortungsvoller Einsatz kann sogar den Underwriting-Komfort eines Versicherers verbessern: Ein Beispiel ist die Möglichkeit, mithilfe von KI die Vollprüfung einer Vielzahl von Verträgen durchzuführen, anstatt – wie bisher üblich – eine Stichprobe zu analysieren. Für Beratende stellt der Einsatz von KI kein Deckungsrisiko dar, wenn er professionell dokumentiert und kommuniziert wird. Richtig angewendet kann KI sogar zu einer verbesserten Deckungsqualität führen.
Was Versicherer bei KI-gestützten Due-Diligence-Reports künftig erwarten
- Offenlegung: Welche KI-Tools wurden eingesetzt und für welche Teilbereiche der Due Diligence?
- Validierungsnachweis: Wie wurde die Genauigkeit des KI-Outputs überprüft und durch wen?
- Berufliche Verantwortung: Wer hat die KI-Ergebnisse fachlich verantwortet und gezeichnet?
- Scope-Dokumentation: Welche Dokumente wurden einbezogen und welche ausgeschlossen?
- Tool-Qualität: Handelt es sich um ein etabliertes, rechtsbereichsspezifisch geeignetes System?
Praxisempfehlung: das Transparenz-Protokoll
Wir empfehlen Beratenden, im Due-Diligence-Report eine dedizierte KI-Disclosure-Sektion aufzunehmen:
- Name und Version der verwendeten KI-Tools
- Eingesetzte Dokumentenkategorien und Gesamtvolumen
- Beschreibung des Validierungsprozesses durch menschliche Fachleute
- Benennung des verantwortlichen Seniors
- Hinweis auf Bereiche, in denen KI-Findings manuell validiert wurden
Diese Transparenz ist heute noch kein Marktstandard – wird es aber bald sein. Wer jetzt die Grundlagen dafür legt, positioniert sich als verantwortungsvoller Akteur gegenüber dem Versicherungsmarkt. Für Fragen zur Positionierung Ihrer Transaktionen oder zur Struktur KI-gestützter Due-Diligence-Prozesse im W&I-Kontext stehen wir gerne zur Verfügung.
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