Iran-Konflikt und Versicherungsmarkt: Einordnung für Risiko- und Versicherungsmanagement
Die militärische Eskalation im Iran und in der Golfregion bereitet weltweit Sorge. Neben dem menschlichen Leid rücken auch die wirtschaftlichen Folgen in den Fokus: Unternehmen und Risikoverantwortliche müssen mögliche Auswirkungen auf Versicherungsprogramme und internationale Märkte bewerten.
Am schnellsten reagieren die Transportsparten auf geopolitische Spannungen. In der See-Versicherung werden Kriegsrisiken häufig sehr kurzfristig neu bepreist und Kapazitäten regional begrenzt. Für Unternehmen ist der unmittelbare Prämienimpuls aber meist nur ein Teil der Belastung.
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Das Whitepaper skizziert zentrale geopolitische Entwicklungen und verbindet sie mit Risikofeldern wie Regulation und Compliance, politischen Konflikten und Cybersicherheit inklusive praxisnaher Empfehlungen für eine resilientere Supply Chain.
Hier kostenlos anfordernOperativ schwerer wiegen die Folgewirkungen durch
- Umleitungen von Logistikwegen,
- längere Laufzeiten für Lieferungen,
- damit verbundene kurzfristige Engpässe und
- Kostenanstiege in der Logistik.
Diese Effekte sind ein Frühindikator dafür, wie schnell sich ein geopolitisches Ereignis in Lieferfähigkeit, Bestandsstrategie und vertragliche Leistungsfähigkeit niederschlägt. Diese Kombination wirkt in der Praxis wie ein Volatilitätsverstärker und führt dazu, dass Versicherer Risiken selektiver zeichnen, Bedingungen eingrenzender formulieren, Sublimits und Selbstbehalte stärker nutzen und dort, wo Exponierungen objektiv steigen oder schwer quantifizierbar werden, auch Prämienanpassungen vornehmen. „Geopolitische Risiken wirken zunehmend als Multiplikator für Betriebsunterbrechung, Lieferkettenstörungen und Haftungsfragen“, sagt Alexander Skorna, Geschäftsführer Funk Consulting.
Sach- und Ertragsausfall im Fokus
In den industriellen Sachprogrammen steht keine Ad-hoc-Anpassung des Deckungsschutzes an, denn kriegsähnliche Ereignisse sind in vielen Standardbedingungen ohnehin begrenzt oder ausgeschlossen. Mögliche Marktreaktionen zeigen sich eher zur nächsten Fälligkeit in überarbeiteten Klauseln und höheren Selbstbehalten.
Versicherer fragen genauer nach
- konkreten Exponierungen,
- der tatsächlichen Abhängigkeit von bestimmten Ländern, Häfen, Routen und Zulieferern sowie
- der organisatorischen Fähigkeit, Störungen zu beherrschen.
In dieser Phase entscheidet daher nicht nur die Risikolage, sondern auch die Nachvollziehbarkeit der eigenen Risikodaten.
Betriebsunterbrechungen
Gerade Betriebsunterbrechungen ohne vorausgehenden Sachschaden gewinnen an Relevanz. Denn Lieferkettenstörungen, Energie- oder Versorgungsengpässe sowie behördliche Einschränkungen können die Ertragslage spürbar beeinträchtigen, ohne dass ein klassischer Sachschaden vorliegt. In der Praxis lässt sich dieser Risikotyp häufig nur über strukturierte Versicherungslösungen mit klar definierten Auslösemechanismen sowie gegebenenfalls unter Einbindung einer Captive tragfähig abbilden, um Selbstbehalte gezielt zu steuern und Marktkapazitäten effizient einzusetzen.
Die Diskussion verschiebt sich von allgemeinen Risiken hin zu konkreten Ausfallpfaden. Risikomodellierung und szenariobasierte Stresstests quantifizieren mögliche Auswirkungen und zeigen, wie sich Störungen in finanzielle Verlustpfade übertragen, welche Bandbreiten realistisch sind und welche Maßnahmen zur Risikominimierung wirksam sind. Das unterstützt das Management bei Prioritätensetzung und Investitionsentscheidungen und verbessert gleichzeitig die Gesprächsgrundlage mit Versicherern.
Ertragsausfall-Versicherung
Der größte Hebel liegt in der Ertragsausfall-Versicherung. Der Grund dafür ist nicht eine veränderte Deckungslogik bei kriegsbedingten Ursachen, sondern die Schadenmechanik der Folgewirkungen.
Typische Auslöser für Ertragsausfälle sind:
- Energiepreis- und Versorgungsrisiken
- Unterbrechungen von Logistik- und Lieferketten
- Ausfälle kritischer Vorleistungen oder Zulieferungen
- Sicherheitsbedingte betriebliche Einschränkungen
Damit rücken folgende Fragen in den Mittelpunkt: Wie robust bleiben Umsatz, Deckungsbeitrag und Wiederanlauf unter Belastung? Wie gut sind Unterbrechungsrisiken in der Programmstruktur begrenzt und nachvollziehbar?
Aus Versicherer-Sicht überlagern sich dabei zwei Punkte: eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit von Unterbrechungen in eng getakteten Wertschöpfungsnetzen und eine potenziell schwerer zu begrenzende Schadenhöhe im Vergleich zu einem isolierten Sachschaden. „Wenn Unternehmen ihre Lieferkettenabhängigkeiten, Kritikalitäten und Wiederanlaufzeiten belastbar belegen können, schaffen sie Transparenz und nutzen die Spielräume des Marktes für passgenaue Bedingungen und stabile Kapazitäten“, sagt Niclas von Bernstorff, Direktor beim Versicherungsmakler Funk.
Risiko-Reports der Funk Stiftung
Vertiefende Analysen zu geopolitischen, wirtschaftlichen und operativen Risikotreibern finden Sie in den Risiko-Reports der Funk Stiftung.
DownloadHaftpflicht, weitere Sparten und Empfehlung
Haftpflicht-Versicherung
In der Haftpflicht-Versicherung zeigen sich die Auswirkungen geopolitischer Konflikte meist zeitversetzt. Risiken entstehen vor allem dann, wenn Unternehmen Materialqualitäten ändern, Komponenten ersetzen oder neue Lieferanten anbinden. Das kann Qualitätsrisiken erhöhen, Regressketten verkomplizieren und damit Produkthaftpflichtfälle begünstigen. Gleichzeitig gewinnen Sanktions- und Exportkontrollanforderungen an Gewicht, weil sie Geschäftsbeziehungen und die Schadenabwicklung beeinflussen können. Deshalb sollten das Risiko- und Versicherungsmanagement Bedingungen, Sanktionsklauseln sowie den internen Freigabe- und Dokumentationsprozess prüfen.
Risiko- und Versicherungsmanagement sollten Bedingungen, Sanktionsklauseln sowie interne Freigabe- und Dokumentationsprozesse prüfen.
Nebensparten, Specialties und Politische Risiken
Auch jenseits der Industriekerndeckungen sollten Risiko- und Versicherungsmanagement die Nebensparten oder Specialties im Blick behalten, weil dort kurzfristige Einschränkungen direkt auf den Betrieb auswirken können. In der Versicherung politischer Risiken etwa kann anhaltende Instabilität schnell zu höheren Prämien, geringeren Limiten und restriktiveren Bedingungen führen, insbesondere bei Investitionen, Projekten und staatlich geprägten Geschäftspartnern.
Warenkredit-Versicherung
Zahlungsausfälle können zunehmen, wenn Disruptionen, Exportbeschränkungen, Währungskontrollen oder Insolvenzen die Liquidität von Abnehmern belasten.
Reise-Versicherungen
Reise-Versicherungen leisten bei kriegsbezogenen Ereignissen und behördlich angeordneten Luftraumsperrungen in Standardbedingungen häufig nicht.
Luftfahrt-Versicherungen
Der kriegsbezogene Teil der Deckung ist oft kurzfristig kündbar, was bei anhaltender Lage zu Preissteigerungen und zu einer vorsichtigeren Bereitstellung von Kapazitäten führen kann.
Terror-Versicherungen
Steigende Prämien und engere Kapazitäten sind erwartbar, spätestens, wenn erste Schäden beobachtet werden, die abseits der unmittelbar von kriegerischen Handlungen betroffenen Gebiete eintreten.
Unsere Empfehlung: Unternehmen sollten ihre Lieferkettenabhängigkeiten bis in tiefere Zulieferstufen analysieren, die Ertragsausfalllogik in den Versicherungsbedingungen prüfen und zentrale Szenarien mit belastbaren Zahlen hinterlegen. Das stärkt die operative Handlungsfähigkeit und die Stabilität des Versicherungsschutzes.
Wie Funk Consulting jetzt unterstützt
Funk Consulting unterstützt Unternehmen dort, wo Risikoentscheidungen schnell und zugleich fundiert getroffen werden müssen. Im Fokus stehen die Neubewertung geopolitischer Exponierungen, die Modellierung von Verlustpfaden über Standorte und Lieferketten sowie szenariobasierte Stresstests als belastbare Grundlage für Management und Versicherungsmarkt. Darauf aufbauend entwickeln wir Deckungsstrukturen in den Bereichen Sach/BU und Haftpflicht bis hin zu Lösungen unter Einbindung einer Captive weiter.
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