BMF-Schreiben zur Anwendung der neuen Heubeck-Richttafeln

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat am 22. Oktober 2018 das BMF-Schreiben* zur Anwendung der neuen - zwischenzeitlich angepassten - Heubeck-Richttafeln 2018 G im Internet veröffentlicht.

In dem Schreiben erkennt die Finanzverwaltung die Heubeck-Richttafeln 2018 G an und erläutert die Einzelheiten des Übergangs: Es wird eine fast einjährige Übergangszeit bis zur Erstanwendung der neuen Richttafeln gewährt. Für Bilanzstichtage ab dem 30. Juni 2019 sind die Pensionsverpflichtungen auf Basis der neuen Tafeln zu bilanzieren. Des Weiteren sieht das BMF-Schreiben vor, dass der Übergang bei allen sonstigen versicherungsmathematisch zu bewertenden Bilanzposten des Unternehmens (z. B. Jubiläums- und Altersteilzeitverpflichtungen) zum selben Zeitpunkt erfolgt.

 

Hinweise zur Verteilung des Unterschiedsbetrages

Nach § 6a Absatz 4 Satz 2 EStG kann der Unterschiedsbetrag, der auf der erstmaligen Anwendung der Heubeck-Richttafeln 2018 G beruht, nur gleichmäßig verteilt auf mindestens drei Wirtschaftsjahre der jeweiligen Pensionsrückstellung zugeführt werden. Diese Verteilung ist sowohl bei positiven als auch bei negativen Unterschiedsbeträgen erforderlich.  Eine Verteilung auf mehr als drei Jahre ist grundsätzlich möglich, wird in der Praxis aber kaum Anwendung finden.

Das BMF-Schreiben führt weiter aus, dass die Verteilungsregelung auch für Versorgungszusagen gilt, die im Übergangsjahr erteilt werden (entgegen dem Urteil vom 17. August 2016 (3 K 228/14) des Thüringer Finanzgerichts). Das beim Bundesfinanzhof anhängige Verfahren (Aktenzeichen XI R 34/16) bleibt abzuwarten.Wird in einem Folgejahr eine Pensionszusage neu erteilt oder erhöht sich bei einer bestehenden Zusage die Verpflichtung, sind die Pensionsrückstellungen in vollem Umfang auf Basis der Heubeck-Richttafeln 2018 G ohne Verteilung eines Unterschiedsbetrages zu bewerten.

 

Auswirkungen für HGB- und IFRS-Abschlüsse 

Das IDW (Institut der Wirtschaftsprüfer) hat am 5. September 2018 in seinem Schreiben „Zur Anwendung der neuen Heubeck-Richttafeln RT 2018 G bei der Bewertung von Altersversorgungsverpflichtungen in HGB- und IFRS-Abschlüssen“ ebenfalls seine Auffassung zum Richttafelübergang dargelegt. Dessen Zeitpunkt hängt dem IDW zufolge davon ab, wann die neuen Richttafeln als „allgemein anerkannt“ angesehen werden können. Für Abschlüsse ab Veröffentlichung des BMF-Schreibens auf der Website des Finanzministeriums ist nach Auffassung des IDW grundsätzlich von einer „allgemeinen Anerkennung“ auszugehen.  

Werden in HGB- und IFRS-Abschlüssen modifizierte Richttafeln verwendet, ist ein Wechsel auf die neuen Richttafeln 2018 G nicht kurzfristig erforderlich, da die bisherigen Rechnungsgrundlagen aktuell und auf die tatsächliche Belastung des Unternehmens angepasst sind.

 

*BMF-Schreiben – Steuerliche Gewinnermittlung; Bewertung von Pensionsrückstellungen nach § 6a EStG, Übergang auf die „Heubeck-Richttafeln 2018 G“ (BMF-Schreiben vom 19. Oktober 2018; GZ: IV C 6 - S 2176/07/10004:001; DOK: 2018/0833103)

 

11.12.2018


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