Wenn Warenströme nicht mehr fließen

Wirtschaftliche Sanktionen oder die Enteignung ausländischer Investierender können schwerwiegende Folgen für global agierende Unternehmen haben. Die Coronakrise verschärft diese Situation noch. Eine Analyse unterstützt die Risikoermittlung.

Ob Handelskrieg zwischen den USA und China oder der Brexit – bereits vor der Coronakrise gab es große politische Brandherde. Diese Risiken nehmen aktuell weiter zu, da Regierungen auf der ganzen Welt als Reaktion auf Corona ihre Politik und Vorschriften ändern. Auch die geopolitischen Spannungen steigen, da Länder ihre Grenzen für Menschen und Güter aus dem Ausland schließen. Unternehmen sollten diese Risiken eng überwachen und im Hinblick auf Lieferketten feststellen, wie sich die politischen Risiken auf Geschäftsaktivitäten auswirken. Funk unterstützt mit einem strukturierten und umfassenden Ansatz für Krisenmanagement und unternehmerische Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz.

 

Umfassende Analyse

Mit dem Funk Stresstest für politische Risiken können Unternehmen ihre politischen Gefahrenpotenziale frühzeitig erkennen und Konzepte zur Vorbereitung entwickeln.

Risikolandkarte

Einen Überblick über das politische Risiko erhalten Unternehmen mit der Political Risk Map. Die dynamische Gefahrenkarte zeigt anhand von frei skalierbaren Gewichtungsfaktoren für verschiedene Risikoklassen das politische Risiko auf Länderebene auf.

Besonders der Ölpreisverlauf ist ein guter Indikator für politische Risiken im oft staatlich regulierten Energiesektor. Dafür stellen spezielle Fachkräfte von Funk im Workshop zusammen mit den Unternehmen die Gefährdungslage fest und entwickeln Maßnahmen, um die individuellen Risiken zu minimieren. Political-Risk-Experte Dr. Alexander Skorna erläutert die Analyse: „Mithilfe der Szenario-Technik wird simuliert, wie sich realistische Ereignisse auf die globale Wertschöpfungs- und Erlösstruktur des Unternehmens auswirken können. Daraus lässt sich dann die Gefährdung durch politische Risiken ableiten.“ Die Ergebnisse dienen als Richtgrößen, um beispielsweise geeignete Deckungs- beziehungsweise Versicherungssummen zu ermitteln. Sie sind damit die Basis für Versicherungslösungen. Die Absicherung politischer Risiken ist in drei Ansätzen möglich:

1. Vertragsbruch/Nichtzahlung

Bei internationalen Warenverkehren können die Verträge aufgrund politischer Entscheidungen nachträglich gebrochen werden, und der Auftrag bleibt ganz oder teilweise ohne Zahlung. Aufgrund der Betriebsschließungen in der Coronakrise ist auch der Ölpreis stark gefallen und hat sich auf niedrigem Niveau um 40 US-Dollar pro Barrel stabilisiert. Ein schwacher Ölpreis ist vor allem für Länder problematisch, deren Einnahmen maßgeblich vom Ölexport abhängen. Hier steigen in der Folge dann die Handelsrisiken. „Kredit-Versicherungen erweitern den Schutz unter anderem auf Sachverhalte, in denen der Abnehmer zahlungsfähig und zahlungswillig ist, die Zahlung jedoch aufgrund einer Maßnahme der öffentlichen Hand den Lieferanten nicht oder nur teilweise erreicht“, sagt Sebastian Kentenich, Leiter der Sparte Kredit-Versicherungen bei Funk.

 

2. Ausländische Direktinvestitionen

Bei Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland dominieren das Enteignungsrisiko und/oder ein Lizenzentzug, die eine lokale Wertschöpfung des deutschen Unternehmens verhindern. Auch Exportbeschränkungen im Drittland vor Ort können für das deutsche Unternehmen indirekt negativ wirken, da regionale Märkte gegebenenfalls aus Deutschland direkt zu beliefern wären. Im Zuge der Coronakrise rechnet die Welthandelsorganisation WTO mit einem Rückgang ausländischer Direktinvestitionen von 30 bis 40 Prozent. Dennoch sollten existierende ausländische Standorte angesichts steigender politischer Risiken abgesichert werden. Hier kann die bestehende Sachdeckung erweitert werden. International aufgestellte Unternehmen sollten zudem auf einen Schutz gegen Terror-Risiken achten. Flankierende Krisen- und Notfallpläne inklusive Evakuierungsverfahren für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter runden ein individuelles, länderbezogenes Schutzkonzept ab. 

Englisches Handbuch

Eine generelle Einführung in das Thema gibt das in englischer Sprache erhältliche „Handbook of Political Risk Insurance“ der Universität St. Gallen, gefördert von der Funk Stiftung. Das Buch bietet Einblicke in die Möglichkeiten des Risikotransfers und entsprechender Deckungen.

3. Transferzahlungen

Neben Standorten und Handelsgeschäften können auch internationale Zahlungsströme von politischen Risiken bedroht werden. Zum Beispiel mittels Kapitalverkehrskontrollen können Staaten lokale Erlöse ausländischer Unternehmen im Land vor Ort halten. Im Zuge des Handelskriegs zwischen den USA und China bereiten chinesische Banken aktuell den Ausstieg aus dem weltweiten Zahlungsnetzwerk SWIFT sowie aus dem US-Dollar-Leitsystem vor. Die Koppelung der chinesischen Währung Renminbi an den US-Dollar ist seit 2015 bereits stark aufgeweicht, um ähnlich wie Russland eine unabhängigere Fiskalpolitik zu gestalten. Abhilfe schaffen Versicherungslösungen aus dem Kreditbereich.

 

Mix aus Risiko- und Versicherungsmanagement

Der Funk Stresstest unterstützt Unternehmen vom Risk Assessment hin zu einem passgenauen Risiko und Versicherungsmanagement.

Zu Beginn erhält das Unternehmen eine methodische Basis zur Identifikation, Überwachung und Bewertung politischer Risiken. „Neben geopolitischen Einflüssen werden auch länderspezifische, regulatorische und gesellschaftspolitische Entwicklungen in die Analyse einbezogen“, sagt Dr. Alexander Skorna. Die Ergebnisse werden dann auf die Unternehmensbilanz übertragen und die Auswirkungen auf wichtige Kernindikatoren bewertet. Abschließend kann das Team von Funk zusammen mit dem Unternehmen passende Risikomanagement-Maßnahmen ableiten, die auch den Abschluss spezieller Versicherungslösungen enthalten können. So gut abgesichert macht dann auch die Lektüre der Tagespresse mehr Spaß.

 

Ablauf Funk Stresstest für politische Risiken

 

14.10.2020

Ihr Kontakt

Dr. Alexander Skorna Ansprechpartner bei Funk
Dr. Alexander Skorna
+49 40 35914-0
E-Mail-Kontakt
Sebastian Kentenich Ansprechpartner bei Funk
Sebastian Kentenich
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E-Mail-Kontakt