US-Casualty-Markt: Hohe Anforderungen und steigende Prämien
Der US-Casualty-Markt, der Markt für Haftpflichtversicherungen in den USA, hat sich nach mehreren Jahren der Verschärfung inzwischen auf einem höheren Niveau stabilisiert. Dennoch bleiben die Anforderungen der Versicherer hoch: Eine strenge Zeichnungs- und Risikoprüfung und moderat bis deutlich steigende Prämien prägen weiterhin das Marktumfeld.
Versicherer prüfen US-Risiken zunehmend detaillierter. Betroffen sind insbesondere die Betriebs- und Produkthaftpflicht, die Kfz-Haftpflicht sowie Umbrella- und Exzedentenhaftpflichtversicherungen. Für Unternehmen mit Risiken in den USA bedeutet dies vor allem höhere Anforderungen an die Risikodarstellung, einen stärkeren Fokus auf Schadenverläufe und Präventionsmaßnahmen sowie steigende Kosten bei der Verlängerung bestehender Policen.
Welche Sparten sind betroffen?
- Betriebsstätten- und Produkthaftpflichtversicherungen (Primary General Liability)
- Kfz-Haftpflicht-Versicherungen (Commercial Auto Liability)
- Umbrella- und Exzedentenhaftpflichtversicherungen
Warum bleibt der US-Casualty-Markt angespannt?
Haftpflichtschäden – insbesondere im Bereich der Allgemeinen Haftpflicht und der Kfz-Haftpflicht – verursachen weiterhin steigende Schadenkosten. Neben der allgemeinen Schaden- und medizinischen Inflation treiben weitere Faktoren diese Entwicklung voran. Dazu zählen insbesondere die sogenannte Social Inflation, also der über die allgemeine Inflation hinausgehende Anstieg von Schadenersatz- und Haftungskosten, sowie steigende Prozesskosten. Hinzu kommt die Finanzierung von Gerichtsverfahren durch Dritte, das sogenannte Third-Party Litigation Funding.
Hinzu kommem ein weiterhin hohes Prozessaufkommen sowie in einzelnen US-Bundesstaaten eine besonders klägerfreundliche Rechtsprechung, wodurch Schadenersatzforderungen deutlich steigen können.
Was ändert sich bei der Risikoprüfung?
Versicherer verlangen heute deutlich detailliertere Informationen zu den Risiken, die sie übernehmen. Unternehmen müssen sich daher auf eine intensivere Prüfung ihrer Betriebs- und Schadenrisiken einstellen. In der Allgemeinen Haftpflicht wird beispielsweise die Beschreibung der betrieblichen Tätigkeiten genauer hinterfragt. Zudem können Versicherer kategorische Ausschlüsse für PFAS (auch bekannt als „Ewigkeits-Chemikalien“) verlangen.
Auch in der Kfz-Haftpflicht steigen die Anforderungen an die verfügbaren Informationen. Während bislang häufig der Nachweis eines gültigen Führerscheins für die Fahrer ausreichte, werden zunehmend detailliertere Daten abgefragt. Dazu können neben Alter und Dauer der Fahrerlaubnis auch biometrische Daten sowie Informationen zur individuellen Schadenhistorie gehören. Daher ist zu erwarten, dass den Kunden deutlich stärkere Selbstkontrollen auferlegt werden
Kfz-Haftpflicht: Höhere Anforderungen an Flotten
Besonders restriktiv zeigt sich der Markt bei sogenannten Stand-alone-Kfz-Haftpflichtpolicen. Hier wird grundsätzlich Ausgleichsgeschäft aus anderen Sparten verlangt. Bei einer hohen Schadenfrequenz reichen selbst deutlich höhere Selbstbehalte unter Umständen nicht aus, um eine Weiterzeichnung zu vereinbaren. Stattdessen erwarten Versicherer von den Unternehmen ein stärkeres Management ihrer Fahrenden und Fuhrparks. Besonders kritisch prüfen Versicherer Kfz-Flotten mit mehr als 50 Fahrzeugen sowie Policen, bei denen häufig Fahrten mit gemieteten Fahrzeugen versichert werden. Exzedentenhaftpflichtversicherer verlangen seit Jahren häufig einen Attachment Point von mehr als 1 Mio. US-Dollar, die separat zugekauft werden müssen.
Welche Prämiensteigerungen sind zu erwarten?
So wie heute absehbar, sind zur Verlängerung der Policen in allen drei Bereichen – neben den vorab geschilderten Maßnahmen der Versicherer – Prämienerhöhungen zu erwarten. Die konkrete Entwicklung hängt dabei unter anderem von der individuellen Risikosituation und dem Schadenverlauf des jeweiligen Unternehmens ab. Für die Vertragsverlängerung werden derzeit folgende Prämiensteigerungen erwartet:
(Lokale) Betriebsstätten- und Produkt-Haftpflicht-Versicherungen
5 % bis 10 %
Kfz-Haftpflicht-Versicherungen
10 % bis 15 %
Umbrella-/Exzedenten-Haftpflicht-Versicherungen
5 % bis 16 %
Was Unternehmen jetzt beachten sollten
Eine frühzeitige Vorbereitung auf die Vertragsverlängerung, das sogenannte Renewal, gewinnt angesichts der aktuellen Marktsituation an Bedeutung. Insbesondere bei der Kfz-Haftpflicht sollten Unternehmen gemeinsam mit ihren US-Gesellschaften und unserem lokalen Maklerpartner die Gesamtsituation analysieren. Eine belastbare Aufbereitung der Risikoinformationen kann dazu beitragen, die Verhandlungsposition gegenüber den Versicherern zu verbessern und mögliche Prämiensteigerungen zu begrenzen.
Dabei sollten Unternehmen den Schadenverlauf und gegebenenfalls das Fahrverhalten ihrer Mitarbeitenden analysieren. Zusätzlich ist zu prüfen, ob die US-Gesellschaft strengere Vorgaben für die Nutzung von Mietwagen einführen kann. Im Vorfeld sollte – insbesondere bei Frequenzschäden – über höhere Selbstbehalte nachgedacht werden.
Funk beobachtet die weitere Entwicklung des US-Casualty-Marktes und unterstützt Unternehmen bei der Vorbereitung und Steuerung ihrer internationalen Versicherungsprogramme.
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