Vertrauensschäden durch KI: Was Unternehmen wissen müssen
Täuschend echte E-Mails, geklonte Stimmen oder Deepfakes: Immer mehr Kriminelle nutzen Künstliche Intelligenz (KI), um Mitarbeitende zu manipulieren und Unternehmen finanziell zu schädigen. Der größte Kostentreiber in der Vertrauensschaden-Versicherung liegt jedoch woanders.
Vertrauensschäden zählen nach wie vor zu den unterschätzten Vermögensrisiken. Die Bedrohungslage verschärft sich dabei zunehmend: Kriminelle nutzen mithilfe von KI immer häufiger das Vertrauen, die Hierarchien, den Zeitdruck oder die Hilfsbereitschaft von Mitarbeitenden aus, um unberechtigte Zahlungen zu veranlassen oder sensible Informationen weiterzugeben (Social Engineering). Täuschend echte E-Mails, geklonte Stimmen oder Deepfakes machen die Betrugsversuche noch glaubwürdiger und erschweren es, Manipulationsversuche rechtzeitig zu erkennen. Die Folgen sind gravierend: Jahr für Jahr entstehen der deutschen Wirtschaft dadurch Schäden in Milliardenhöhe.
Unsichere Zeiten erschweren die Kontrolle
Die Rahmenbedingungen für Wirtschaftskriminalität haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Wirtschaftlich unsichere Zeiten, geopolitische Krisen und die steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen erhöhen den Druck auf Organisationen und begünstigen externe Betrugsversuche. International vernetzte Unternehmensstrukturen erschweren zudem die wirksame Implementierung interner Kontrollsysteme (IKS).
Diese Betrugsmaschen sind derzeit besonders relevant
- Zahlungsbetrug: Rechnungen, Bankverbindungen oder Zahlungsanweisungen werden gefälscht oder verändert.
- Bestellerbetrug: Die Täter treten als vermeintliche Kunden auf und lassen Waren an manipulierte Adressen liefern.
- Fake President: Kriminelle geben sich als Mitglied der Geschäftsleitung aus und veranlassen vertrauliche oder angeblich dringende Zahlungen.
KI befeuert wirtschaftskriminelle Aktivitäten
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz führt zu einer neuen Dimension von Vertrauensschäden, da sich Täter das Vertrauen von Mitarbeitenden leichter erschleichen können. Kriminelle erstellen heute hochgradig personalisierte Nachrichten in der passenden Tonalität oder Deepfakes, etwa in Form von täuschend echten Audio- oder Videoanrufen vermeintlicher Vorgesetzter oder Geschäftspartner. „Wir beobachten eine signifikante Zunahme erfolgreicher Fälle von Wirtschaftskriminalität, in denen Täter KI einsetzen, um Mitarbeitende zu manipulieren“, so Renée Christin Rüther, Expertin für Vertrauensschäden im Bereich Digital Risks bei Funk. „Dadurch wirken bekannte Betrugsmaschen glaubwürdiger und verursachen in einzelnen Fällen erhebliche Vermögensschäden in Unternehmen.“
Nach Rüthers Einschätzung werden solche KI-gesteuerten Social-Engineering-Attacken zunehmend hochprofessionell orchestriert. Die Fake-President-Betrugsmasche, die seit Jahren zu den Vertrauensschaden-Trends gehört, spielt weiterhin eine große Rolle, allerdings entwickeln sich die Vorgehensweisen der Täter weiter. So treten vermehrt Schadenfälle auf, in denen Gelder und Waren durch gefälschte Rechnungen, fingierte Bestellungen oder manipulierte Zahlungsanweisungen fehlgeleitet werden.
Laut der Schadensstatistik von Allianz Trade aus dem Januar 2026 sind die Fallzahlen im Bereich des Bestellerbetrugs um 61 Prozent und die Schadensummen sogar um 139 Prozent gestiegen. Dabei knüpfen die Täter gezielt an bestehende Geschäftsbeziehungen an und spionieren interne Abläufe aus, um ihre Angriffe glaubwürdiger zu gestalten.
So setzen Kriminelle KI für Social Engineering ein
Ob Fake President 2.0, zunehmender Bestellerbetrug oder manipulierte Zahlungsanweisungen – KI macht bekannte Betrugsmaschen deutlich glaubwürdiger und steigert somit ihr Schadenpotenzial.
Das Risiko sitzt oft im Unternehmen selbst
Solche externen, KI-gestützten Betrugsfälle sorgen zwar medial für große Aufmerksamkeit, das größere finanzielle Risiko in der Vertrauensschaden-Versicherung liegt jedoch an anderer Stelle: Laut Allianz Trade entfielen im Jahr 2025 rund 60 Prozent der gemeldeten Betrugsfälle und 65 Prozent der Schadenhöhe auf die Beschäftigten des eigenen Unternehmens, sogenannte Innentäter.
Der Grund: Beschäftigte kennen Zuständigkeiten, Freigabeprozesse und Kontrollmechanismen. Je nach Position verfügen sie über weitreichende Zugriffs-, Bestell- oder Zahlungsberechtigungen. Dieses Wissen kann gezielt genutzt werden, um Kontrollen zu umgehen, Buchungen zu verschleiern oder Vermögenswerte unbemerkt abzuzweigen. Während externe Betrugsversuche häufig punktuell erfolgen, können kriminelle Handlungen innerhalb des Unternehmens über einen längeren Zeitraum unentdeckt bleiben. Dadurch kann sich der Schaden schrittweise vergrößern.
Anzahl der Fälle
60 % Innentäter
40 % externe Täter
Höhe der Schäden
65 % Innentäter
35 % externe Täter
Laut der Allianz Trade Schadensstatistik entstanden 2025 die größten Vertrauensschäden durch die eigenen Mitarbeitenden.
So beugen Unternehmen Vertrauensschäden vor
Für Unternehmen bedeutet das: Der richtige Schutz vor Vertrauensschäden darf sich nicht allein auf externe Bedrohungen konzentrieren. Genauso wichtig sind wirksame Compliance- und Kontrollstrukturen, klare Freigabeprozesse und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden.
Eine Vertrauensschaden-Versicherung ergänzt diese Präventionsmaßnahmen und schützt Unternehmen vor den finanziellen Folgen vorsätzlicher krimineller Handlungen – unabhängig davon, ob sie von außen durch Dritte oder aus den eigenen Reihen von Vertrauenspersonen begangen werden.
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