Warum der Streit um Strafzölle auch deutsche Unternehmen trifft

16.05.2018 - Beim Thema Strafzölle lassen China und die USA die Muskeln spielen. Während die beiden Großmächte um die wirtschaftliche Vormacht eifern, ist auch der deutsche Mittelstand nicht vor den Folgen gefeit. Mit dem „Funk Stresstest für politische Risiken“ können Unternehmen die Auswirkungen analysieren.

Europa kann vorerst durchatmen: Die EU bleibt noch bis mindestens Juni 2018 von den US-Strafzöllen per Ausnahmeregelung verschont. Und chinesische Strafzölle betreffen bisher einzig US-Produkte. Die beiden Großmächte hingegen schaukeln sich im Handelskonflikt weiter hoch – die Folgen allerdings sind auch in Deutschland spürbar.

Die USA wollen mit den Strafzöllen ihre heimischen Industrien schützen und vor allem den Druck auf innerchinesische Reformen erhöhen. Dazu gehören beispielsweise der gleichberechtigte Marktzugang für Auslandsinvestitionen in China, die Abschaffung des Joint Venture-Zwangs oder ein Ende der Industriespionage. China sieht in den Strafzöllen einen Angriff auf sein strategisches Wachstum. Der Handelskonflikt durchkreuzt die Pläne der Chinesen, die in den kommenden zehn Jahren die Vormachtstellung in den zehn wichtigen Industriebereichen der Zukunft erobern wollen. 

 

Betroffene Produkte und Industrien 

Zum Schutz heimischer Industrien und Märkte dürfen einzelne Länder unter bestimmten Umständen Zölle einführen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn unzulässige Subventionen von Drittstaaten zu „Dumping-Preisen“ im heimischen Markt führen. In der Regel sind die verhängten Zölle allerdings nur vorübergehend erlaubt. 

Bei den nun verabschiedeten „Strafzöllen“ geht es um mehr als den Schutz heimischer Industrien. Das wird an den betroffenen Produkten deutlich: Die USA machten den Auftakt im Handelsstreit, als sie im Januar Zölle auf Waschmaschinen und Solaranlagen aus China erhoben. In beiden Industriebereichen sind die Chinesen Weltmarktführer. Mitte Februar beschlossen die USA weitere Import-Zölle auf Stahl und Aluminium. Damit ist erstmals auch die EU mit Zöllen konfrontiert worden. Sie kündigte sogenannte „Rachezölle“ an, u. a. auf Produkte wie Motorräder, Klimaanlagen und Orangensaft. Mit Erfolg: Die EU-Staaten konnten eine Befreiung von den US-Zöllen erwirken. 

China antwortete im März und April mit Zöllen auf US-Waren. Betroffen sind vor allem Produkte aus der Landwirtschaft: von Soja, Hirse und Getreide über Trockenfrüchte und Wein bis hin zu Schweinefleisch. Dr. Alexander Skorna, Business Development Manager bei Funk, erläutert: „Mittelfristig wird es zu einer Umverteilung der weltweiten Handelsströme kommen, denn die USA sind nicht in der Lage, die Binnennachfrage durch heimische Produktion komplett zu bedienen.“ 

USA, China und die EU: Chronologie der Strafzölle 

 

Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand

Die internationalen Lieferketten sind stark vernetzt und bisweilen von einzelnen lokalen Fertigungskompetenzen abhängig. „Obwohl die EU bisher von Strafzöllen der USA und auch seitens Chinas weitgehend verschont worden ist, sind die Auswirkungen auf Deutschland als drittgrößte Handelsnation gravierend“, sagt Dr. Skorna. 

Das hängt vor allem mit den betroffenen Produkten zusammen, die vom Handelsstreit betroffen sind: Chinesische Zölle zielen in erster Linie auf den starken US-Agrarsektor, während US-Zölle die chinesische Stahl- und Konsumgüterindustrie treffen. So besteht die Gefahr, dass die Waren aufgrund der beiderseitig eingeführten Zölle zukünftig verstärkt in andere Märkte, insbesondere in die EU, umgeleitet werden. Dr. Alexander Skorna dazu: „Der EU-Binnenmarkt ist derzeit kaum vor ausländischen Importen geschützt und gleichzeitig einer der größten Absatzmärkte weltweit. Das Angebot im EU-Binnenmarkt würde durch Exporte aus China und den USA zunehmen. Die Folge wäre ein starker Preisverfall.“

Deutschland als größter Einzelmarkt wie auch größte Handelsnation im EU-Binnenmarkt wäre von solchen Entwicklungen besonders betroffen. Die indirekten Auswirkungen der Strafzölle treffen insbesondere die deutsche Landwirtschaft, die Lebensmittelindustrie sowie die Stahl- und Aluminiumindustrie und die nachgelagerten Veredelungsindustrien. „Sie werden mit reduzierten Margen und erhöhtem Kostendruck zu kämpfen haben“, prognostiziert Dr. Skorna. 

Während Konzerne mittlerweile ihre Wertschöpfung weltweit erzeugen, stellen diese Entwicklungen vor allem den deutschen Mittelstand vor große Herausforderungen. „Die Produktion ist vielfach noch in Deutschland konzentriert und auch der gesamte EU-Binnenmarkt ist wie der deutsche Heimatmarkt für mittelständische Unternehmen immer noch von großer Bedeutung,“ so Dr. Skorna.

 

Politische Risiken bedrohen Geschäftserfolg

Der aktuelle Streit um Strafzölle zeigt: Politische Risiken beschränken sich nicht nur auf Krieg und Terrorismus. Auch Risiken, die durch ökonomische Bestrebungen oder geänderte Gesetze entstehen, zählen dazu. 

„Im Fall der Strafzölle finden Unternehmen zwar auf Kapitalmärkten über ausgewählte Hedging-Instrumente Produkte zur Preisabsicherung von Rohstoffen und gängigen Agrar-Produkten“, sagt Dr. Skorna, „Versicherungslösungen für politische Gefahren existieren vor dem Hintergrund eines Preisverfalls allerdings nur in sehr engen Grenzen.“ Umso wichtiger ist, dass Unternehmen ein klares Bild darüber haben, welche  Risiken sich auf ihre Liquidität und Kapitalisierung auswirken können. Sie sollten sich gezielt auf mögliche Szenarien vorbereiten und risikoreduzierende Maßnahmen implementieren.

 

Stresstest als Standortbestimmung

Mit dem „Funk Stresstest für politische Risiken“ können Unternehmen die Auswirkungen unterschiedlicher Risiko-Szenarien – wie zum Beispiel einen substantiellen Preisverfall in Kernmärkten – bewerten. „Zum Mix der Risikobewältigungsmaßnahmen sollten außerdem auch präventive Maßnahmen wie beispielsweise die Entwicklung von Notfall- und Krisenplänen berücksichtigt werden“, rät Dr. Skorna. 

In der Vorbereitungsphase des Stresstests wird ein Risk-Assessment durchgeführt, das Risikoschwerpunkte und die zu betrachtenden Länder definiert. Länderspezifische Gefährdungen sowie relevante Risiken und Szenarien werden mit den Kunden analysiert. Mit Hilfe der Risikosimulationssoftware RIMIKS werden die erarbeiteten Risikoszenarien in den Kontext der Unternehmensplanung gestellt. Durch dieses Vorgehen wissen Unternehmen nach dem Workshop konkret, wie es sich auf die Geschäftszahlen auswirkt, wenn beispielsweise ein Werk in Tunesien ausfällt oder ein Lieferant aus der Ukraine nicht mehr zur Verfügung steht. Auch mögliche Maßnahmen zur Risikosteuerung werden diskutiert und in einem Empfehlungskatalog im Abschlussbericht zusammengefasst.  


Ihr Ansprechpartner

Dr. Alexander Skorna

+49 40 35914-0





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