Professionelle Trickser nutzen Frachtenbörsen

Die jüngsten Schadenstatistiken aus dem Bereich der Logistik zeigen für 2015 einen deutlichen Anstieg von Ladungsdiebstahl. Betroffen sind insbesondere Deutschland, die Niederlande, Großbritannien und Dänemark. Meist gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Betrugsdelikten und der Nutzung von Internet-Frachtenbörsen.

Zur Vermeidung von Leerfahrten vermarkten Spediteure über sogenannte Frachtenbörsen ihren Laderaum bzw. freie Kapazitäten. Etablierte Speditionen bedienen sich bei überdurchschnittlicher Auslastung ihres eigenen Fuhrparks der Frachtenbörsen und vergeben Transportaufträge über solche Internet-Plattformen an Sub-Dienstleister. Für Verlader besteht die Herausforderung nun darin, bei zum Teil täglich wechselnden Transportdienstleistern und Fahrern den organisatorischen Durchblick zu behalten. Thilo Wandel, Leiter Transport bei Funk, urteilt: „Die Kriminellen tricksen professionell, äußerst geschickt und gehen planvoll vor. Trotzdem lässt sich die Gefahr von Ladungsdiebstählen mit ein paar einfachen Maßnahmen deutlich reduzieren.“ Um im schlechtesten Fall nicht den eigenen Versicherungsschutz zu gefährden, sei es notwendig, Frachtführer sorgfältig auszuwählen und zu prüfen, so Wandel. Ziel ist dabei, sich der Seriosität sowie Authentizität potenzieller Geschäftspartner zu versichern. Grundsätzlich sollte man keine hochwertigen Güter mit einem Gesamtladungswert von mehr als 100.000 Euro über Frachtenbörsen platzieren.

„Subcontracting“ bzw. die Weitergabe des Transportauftrages durch den Spediteur an einen Unterfrachtführer birgt zusätzliche Risiken und sollte daher möglichst vermieden werden. Um die Gefahr des Ladungsdiebstahls zu minimieren, sollten die Unterfrachtführer der gleichen Zuverlässigkeitsüberprüfung unterzogen werden wie die Spediteure selbst. Dies sollte vertraglich vorgegeben werden. Sofern der Spediteur diese Überprüfung nicht sicherstellen kann, sollte die Weitergabe des Transportauftrages untersagt werden. Bei Auftragsvergaben über Frachtenbörsen sollte „Subcontracting“ generell untersagt werden.

 

Vier typische Vorgehensweisen

Organisierte Betrüger-Banden nutzen das Chaos bei der Untervergabe von Transportaufträgen systematisch aus. Vier typische Vorgehensweisen beim Ladungsdiebstahl über Frachtenbörsen haben sich etabliert: 

Kriminelle bedienen sich bekannter Unternehmen und fälschen Dokumente real existierender Speditionen sowie Transportaufträge. Betrugsmerkmale sind unter anderem die Nutzung von Freemail-Adressen wie GMX, Gmail oder Hotmail und Handynummern als alleinige Kontaktinformation.

Kriminelle übernehmen etablierte, aber insolvenzgefährdete Speditionen mit dem Ziel, unter dem bekannten Namen Ladungsdiebstähle durchzuführen. Bis sich die Betrugsdelikte häufen, profitieren die Kriminellen von der guten Reputation des Mantel-Unternehmens.

Hier werden gezielt Kriminelle als Mitarbeiter bei Speditionen platziert, sodass diese über lohnenswerte Transporte Auskünfte an ihre kriminellen Kollegen erteilen. Zur Abholung der Ladung beim Kunden kommt dann ein Fahrer aus dem kriminellen Netzwerk und tritt als kurzfristig bestellter Unterauftragnehmer auf.

Kriminelle täuschen mit gefälschten Webseiten ein Speditionsunternehmen vor und bewerben sich auf Frachtenbörsen für Ladungen. Lkw-Kennzeichen sind gefälscht; Dokumente wie CMR-Vertrag, Versicherungszertifikat und Lizenzen sind ebenfalls nicht echt.

Durch den Verlust meist ganzer Lkw-Ladungen erreichen die durchschnittlichen Schadenkosten hohe fünf- bzw. sechsstellige Summen – eine problematische Größenordnung für jeden Transportversicherungs-Vertrag.

 

Möglichkeiten, um den Frachtbetrügern auf die Spur zu kommen:

  • Nur auf langjährige Mitglieder der Frachtenbörsen zurückgreifen sowie die Identifikationsnummer und die seitens des Frachtführers zur Verfügung gestellten Kontaktdaten mit den Daten im Profil der Frachtenbörse abgleichen.
  • Referenzen anfordern und überprüfen: Versicherungsbestätigung / -police durch Anruf beim Versicherer bestätigen lassen, Lizenzen / Genehmigungen, Handelsregisterauszug, Umsatzsteuer-Identnummer und Bankverbindung (IBAN/BIC) sollten ebenfalls überprüft werden.
  • Kontakt über Handy und Freemail vermeiden, falls dennoch notwendig, zusätzlich über einen Festnetz-Anruf plausibilisieren.
  • Kontrolle der Personalien (Ausweis, Führerschein) des abholenden Fahrers, Abfrage und genaue Abstimmung des Ablieferungsortes, Abgleich des avisierten mit dem tatsächlichen Kfz-Kennzeichen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Dokumente unvollständige Daten, Schreibfehler, unleserliche Passagen oder unterschiedliche Formatierungen aufweisen. Das sind Hinweise für mögliche Fälschungen. 

Eine erneute Sicherheitsüberprüfung sollte bei kurzfristigen Änderungen des Ladetermins sowie insbesondere bei Unternehmens- / Fahrer- / Kennzeichenwechsel erfolgen. Entsprechende Schulungen der eigenen Mitarbeiter in Verbindung mit dokumentierten Arbeitsanweisungen tragen ebenfalls zur Sensibilisierung bei. Dr. Alexander Skorna, Business Development bei Funk, fasst zusammen: „Die gute Nachricht ist: Obwohl die Betrüger sich zunehmend professionalisieren, kann man sich in einem ersten Schritt mit den genannten Maßnahmen vor ihnen schützen.“

 

19.08.2019

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