Stammholzstapel im Wald, umgeben von verschwommenen Bäumen, vermittelt eine ruhige, naturnahe Stimmung.

EUDR: So erfüllen Unternehmen Pflichten fristgerecht

Mit der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) macht Brüssel ernst: Produkte aus illegaler oder entwaldeter Herkunft haben auf dem EU-Markt bald keinen Platz mehr. Das bedeutet für Unternehmen tiefgreifende Eingriffe in ihre globalen Lieferketten und akuten Handlungsbedarf. Wir klären offene Fragen und beraten zur Umsetzung der EUDR.

Neue Standards mit offenen Fragen – die EUDR in der Praxis

Die EUDR ist ein weitreichender regulatorischer Hebel. Unternehmen, die Holz, Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja, Kautschuk, Rinder oder Erzeugnisse aus diesen Rohstoffen in der EU handeln, müssen künftig nachweisen, dass ihre Produkte entwaldungsfrei und legal erzeugt wurden – und Rückverfolgbarkeit bis zur Anbaufläche gewährleisten. Die EUDR setzt damit neue Standards für verantwortungsbewussten Handel und erhöht den regulatorischen Druck auf globale Liefernetzwerke.

EUDR auf einen Blick – Fristen und Anforderungen


Welche wichtigen Fristen gibt es?

Die EUDR-Anforderungen treten ab dem 30. Dezember 2025 in Kraft.

Für kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gilt eine verlängerte Frist bis zum 30. Juni 2026

Eine erste Evaluierung der Verordnung ist für Ende Juni 2028 vorgesehen.

Wer gilt nach EUDR-Definition als KMU?

Als KMU gelten nach EUDR-Definition Unternehmen, die maximal einen der folgenden Schwellenwerte überschreiten:

  • Bilanzsumme: 20 Mio. €
  • Jahresumsatz: 40 Mio. €
  • Mitarbeitendenzahl: 250 im Jahresdurchschnitt

Diese Fragen sollten Unternehmen jetzt klären

Wer EUDR-pflichtige Rohstoffe oder Produkte importiert, exportiert oder innerhalb der EU in Verkehr bringt, muss klären:

  • Wie hoch ist der voraussichtliche interne Aufwand zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht für relevante Rohstoffe und Erzeugnisse gemäß Anhang I der Verordnung?
  • Welche Rolle(n) nehme ich innerhalb der verschiedenen Lieferketten ein und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Sorgfaltserklärung, die Risikobewertung und das Reporting?
  • Wie wird sichergestellt, dass EUDR-relevante Schlüsselinformationen entlang der Lieferkette klar geregelt, dokumentiert und über das EU-Informationssystem jederzeit zugänglich sind?
  • Wie kann ich nachträglichen Aufwand frühzeitig vermeiden und gleichzeitig die Rechtssicherheit sowie Prüfbarkeit gegenüber Behörden erhöhen?
  • Welche Informationen kann bzw. darf ich von KMU-Partnern realistisch und verhältnismäßig einfordern, um meine Sorgfaltspflichten zu erfüllen?

Datenlücken, Lieferantenbindung, Bürokratie

Die Umsetzung der EUDR ist komplex. Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Daten zu beschaffen, die in Herkunftsländern oft nicht systematisch erfasst werden – etwa präzise Geokoordinaten von Anbauflächen. Gerade in tropischen Regionen ist die digitale Infrastruktur schwach, die Datentiefe unzureichend und der Dialog mit lokalen Lieferanten schwierig. Diese müssen nicht nur geschult, sondern auch rechtlich und technisch befähigt werden, die nötigen Informationen zu liefern.

Hinzu kommen Fragen wie:

  • Was passiert bei Datenlücken oder Lieferantenausfall?
  • Wie kann Rückverfolgbarkeit softwareseitig abgebildet werden?
  • Welche Systeme erfüllen die EUDR-Anforderungen ohne übermäßigen Aufwand?

Die Bürokratie rund um die Sorgfaltserklärungen und die steigende Anzahl von Audits erzeugen zusätzlichen Druck.

Beispiele zum Stand der regulatorischen Entwicklung

Auch wenn viele Unternehmen bereits mit der Umsetzung der EUDR begonnen haben, zeigen aktuelle Entwicklungen, dass einzelne Regelungsbereiche weiterhin in Bewegung sind. Ein konkretes Beispiel: Das sogenannte Länderbenchmarking, das Importe aus „Low-Risk“-Regionen erleichtern sollte, wurde im Juli vom EU-Parlament zurückgewiesen. Grund dafür sind methodische und inhaltliche Unklarheiten, die nun in einer möglichen Revision geklärt werden sollen. Zudem sorgt die Behandlung von Ersatzteilen für Diskussion: Obwohl deren Wiederverwendung der Zielsetzung der Verordnung entspricht, beklagen viele Unternehmen, dass die aktuelle Auslegung eher Hürden schafft, als Anreize setzt. Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, regulatorische Entwicklungen kontinuierlich im Blick zu behalten und die eigene Umsetzung flexibel, aber entschlossen zu gestalten.


Fazit: Früh starten und strategisch profitieren

Ob Konzern oder KMU – die Devise lautet: frühzeitig aktiv werden. Wer seine Lieferkette heute systematisch analysiert, kann:

  • gezielt Maßnahmen zur Rückverfolgbarkeit und Datensicherung einleiten,
  • entwaldungsrelevante Warenströme erkennen,
  • interne Prozesse für Risikoanalysen und Dokumentation etablieren,
  • geeignete Tools zur Geolokalisierung und Datenpflege auswählen
  • und realistische Anforderungen an Lieferanten formulieren.

Der Schlüssel zur Umsetzung liegt in der Verbindung aus Technologie, Lieferantendialog und rechtlich fundierter Organisation. Gleichzeitig ist es wichtig, aktuelle Unsicherheiten aktiv zu adressieren und sowohl interne als auch externe Stakeholder auf die kommenden Pflichten vorzubereiten. Funk Consulting   begleitet Unternehmen dabei, Komplexität pragmatisch zu meistern, rechtliche Sicherheit fundiert zu gewährleisten und nachhaltige Strukturen zukunftsorientiert aufzubauen.


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22.08.2025

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