Coronavirus – gibt es einen Schutz gegen die Ertragsausfälle?

Der Ausbruch des Coronavirus hat zu zahlreichen Betriebsschließungen in China geführt. Auch international tätige Unternehmen erleiden dadurch Ertragsausfälle. Wer haftet für diesen Schaden? Und wie können Unternehmen sich für die Zukunft besser rüsten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Versicherungs- und Risikomanagement.

Wie gravierend ist der Coronavirus?

In China läuft das staatliche Krisenmanagement derzeit auf Hochtouren. Nach dem Ausbruch des Coronavirus Anfang Januar in der Provinz Hubei versucht die chinesische Regierung durch angeordnete Betriebsschließungen und Quarantäne-Maßnahmen, die Ausbreitung zu verlangsamen und die Bevölkerung zu schützen. Mittlerweile zählen die chinesischen Behörden mehr als 40.000 Infizierte und 1.000 Todesfälle, Tendenz steigend. Damit übertrifft das Ausmaß des aktuellen Coronavirus das der SARS-Epidemie der Jahre 2002/2003. Dennoch gilt der aktuelle Epidemie-Verlauf als moderat, weil die Sterblichkeitsrate von etwa ein bis zwei Prozent um den Faktor zehn kleiner als bei SARS ist. Zudem gefährdet das Coronavirus primär Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Pandemie Warnstufen 

Die Weltgesundheitsorganisation hat ein sechsstufiges Pandemie-Warnsystem entwickelt.
Das Coronavirus ist derzeit in der Warnkategorie 3 auf globalem Level und in Kategorie 4 in China einzuordnen.

Stufe 1

Geringes Risiko: Keine neuen Influenzavirus-Subtypen werden beim Menschen entdeckt.

Stufe 2

Höheres Risiko: Ein im Tierreich zirkulierender Subtyp birgt ein möglicherweise höheres Krankheitsrisiko für den Menschen.

Stufe 3

Pandemische Warnperiode: Die Tierkrankheit breitet sich auf andere Länder und Kontinente aus. Menschen stecken sich zwar an, aber nur im Ursprungsland und nur bei sehr engem Kontakt.

Stufe 4

Im Ursprungsland und außerhalb werden kleinere Herde von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen festgestellt. Noch ist das Virus nicht sehr gut an den Menschen angepasst.

Stufe 5

Es kommt zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen in größerer Zahl, auch außerhalb des Ursprungslandes oder -kontinents. In dieser Phase ist das Virus besser an den Menschen angepasst.

Stufe 6

Pandemie-Periode: Ein Virus wird weltweit in der gesamten Bevölkerung von Mensch zu Mensch übertragen.

Wie stark trifft das die chinesische Wirtschaft? 

Die Auswirkungen sind deutlich zu spüren. Viele örtliche chinesische Behörden haben Betriebsschließungen angeordnet. Wuhan mit rund 11 Mio. Einwohnern ist die Hauptstadt der Provinz Hubei und Produktionszentrum für viele Unternehmen aus dem Bereich Automotive, Chemie, Elektronik und Logistik. Auch die Produktionszentren entlang der östlichen Küste sind derzeit noch betroffen. Die Betriebe dort kehren nur langsam zurück zur Normalität, Ausfälle sind in den nächsten Wochen noch wahrscheinlich. Im Jahr 2019 entfielen auf diese Teile Chinas mehr als 80 Prozent des nationalen BIP und 90 Prozent der Exporte. Viele ausländische Firmen haben zudem beschlossen, ihr nicht-chinesisches Personal zu evakuieren.

 

Wann werden die Betriebe wieder ihre Arbeit aufnehmen?

Das ist vielerorts noch ungewiss. Provinzen oder Städte geben unterschiedliche Termine für eine längere Schließung bekannt, da sich das Coronavirus immer noch weiter ausbreitet. Die Behörden hatten ursprünglich angekündigt, dass der Betrieb am Montag, den 10.02.2020  wieder aufgenommen werden könnte. Die Rückkehr in den Normalbetrieb könnte allerdings noch einige Zeit dauern. Die Schätzungen für eine Wiederinbetriebnahme betroffener Standorte gehen teilweise bis weit in die Sommermonate – ein Ende ist kaum absehbar. Denn selbst wenn die Betriebe wieder freigegeben werden, müssen ihre Beschäftigten immer noch Quarantäneauflagen von etwa zwei Wochen erfüllen, dies entspricht der Inkubationszeit des Virus. Erst danach gelten ein Betrieb und seine Beschäftigten als virus-frei. 

 

Greift der bestehende Versicherungsschutz bei Ertragsausfällen, die mit Betriebsschließungen wegen Coronavirus zusammenhängen?  

Bei den Risiken an den Standorten in China handelt es sich um Gefahren, die in der Regel im Land vor Ort über eine Lokalpolice, auch im Kontext eines internationalen Versicherungsprogramms, versichert werden müssen – es besteht lokale Versicherungspflicht. Da die Policen auf die Bedürfnisse der einzelnen Unternehmen zugeschnitten sind, variieren die Ausschlüsse und Limits. Dennoch können einige allgemeine Aspekte nachfolgend die Absicherungsmöglichkeiten für Unternehmen in diesem speziellen Fall aufzeigen:

  • Seit dem SARS-Ausbruch, der viele Ähnlichkeiten mit dem Ausbruch des aktuellen Coronavirus aufweist, ist die Abdeckung von Betriebsunterbrechungen infolge ansteckender Krankheiten in konventionellen Sach-Versicherungen kein primär zu versicherndes Interesse, sondern nur über individuelle Sonderlösungen zu versichern. 
  • Die meisten Sach-Policen lösen den Versicherungsschutz für Ertragsausfälle erst dann aus, wenn der Versicherungsnehmer einen direkten physischen Schaden (Sachschadenvoraussetzung) auf dem betroffenen Standort durch eine versicherte Gefahr erlitten hat. Ertragsausfälle ohne einen Sachsubstanzschaden sind keine versicherte Gefahr im Rahmen der Sachsubstanz- und Ertragsausfall-Versicherung, auch eventuelle Limits für unbenannte Gefahren erfordern hier einen Sachsubstanzschaden für eine Versicherungsleistung. 
  • Individuelle Sonderlösungen können  eine sachschadenunabhängige Betriebsunterbrechungsdeckung beinhalten (auch „Non-Damage-Business-Interruption“ genannt), wie beispielsweise die Absicherung finanzieller Schäden infolge behördlich erzwungener Betriebsschließung, Zu- und Abgangsbeschränkungen oder Ausfall von Mitarbeitern, die in diesem Fall eine Schadenkompensation bieten könnten. Ab Pandemien der Stufe 5/6 nach WHO-Skala könnten Deckungen gesonderte Ausschlüsse enthalten, um eine Kumulschadengefahr auszuschließen. Die hier verfügbaren Limits sind in der Regel deutlich kleiner als Limits und Versicherungssummen in der Sach-/ Ertragsausfall-Versicherung.
  • Unternehmen außerhalb Chinas, deren Produktion z. B. von einem Lieferanten in China beeinflusst wird, werden wahrscheinlich nicht für die daraus resultierenden Ertragsausfälle abgesichert werden können, da wahrscheinlich territoriale Beschränkungen gelten. 
  • Unternehmen sollten ihre Verträge mit Kunden und Lieferanten genau prüfen, da diese wahrscheinlich Klauseln für „höhere Gewalt“ enthalten und sie vorübergehend von der Einhaltung der normalen Zeit- und Kosten-/Zahlungsanforderungen teilweise oder ganz befreien.

 

Können deutsche Unternehmen sich jetzt noch absichern?

Aufgrund des in China bereits weit vorangeschrittenen Risiko- bzw. Schadenverlaufs ist eine Absicherung des Pandemie-Risikos auch für deutsche Unternehmen in China sowie in Deutschland derzeit nicht mehr möglich. Auch in Deutschland sind mittlerweile Menschen infiziert, vereinzelt sind Betriebe vorsorglich auf freiwilliger Basis geschlossen worden. Trotzdem können Unternehmen sich jetzt mit diesem Risiko und möglichen Ertragsausfällen beschäftigen. Die Experten von Funk bieten dazu einen Smart-BU-Check an, der den finanziellen Schaden auf Grundlage von konkreten Betriebsunterbrechungs- bzw. Betriebsschließungsszenarien bestimmt. Dann besteht Klarheit über das Risiko und mögliche Absicherungslösungen können nach einer allgemeinen Beruhigung der weltweiten Pandemie-Lage vermutlich ab dem kommenden Jahr im Versicherungsmarkt geprüft werden. 

 

Was können Unternehmen sonst noch tun, um sich abzusichern?

Der Ausbruch von ansteckenden Krankheiten kann einen enormen wirtschaftlichen Schaden für Unternehmen bedeuten und die meisten Standardversicherungen schließen dieses Risiko aus. Ein guter Pandemie-Notfallplan im Zuge eines etablierten Business Continuity Management kann Unternehmen unabhängig eines Versicherungsschutzes helfen, sich besser auf den Fall eines Ausbruchs vorzubereiten. Ein BCP für eine Pandemie sollte darlegen, wie ein Unternehmen über einen längeren Zeitraum mit erheblicher Abwesenheit von Mitarbeitern weiterhin seine wesentlichsten Wertschöpfungsprozesse erbringen wird. Der Plan sollte auch Maßnahmen festlegen, wie das Unternehmen das Risiko einer Ansteckung der Mitarbeiter minimiert. Die Experten von Funk bieten Analyse-Tools und Methoden, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Gefahren und Auswirkungen zu identifizieren und mit geeigneten Maßnahmen zu reduzieren. Teilweise sind solche Notfallpläne auch wesentliche Voraussetzungen zur Absicherung von Pandemie-Risiken. 

13.02.2020

 

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Dr. Alexander Skorna
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