Thomas Abel im Interview: "Es wird neue Arten von Risiken geben"

24.08.2018 - Die Welt der Wirtschaft sieht sich neuen Risiken ausgesetzt. Thomas Abel, geschäftsführender Gesellschafter bei Funk, sagt im Interview, wo er die größten Herausforderungen sieht.

Frage: Die Digitalisierung krempelt zurzeit die Märkte um. Was bedeutet das für die Versicherungswirtschaft und ihre Kunden? 

Thomas Abel: Entscheidend ist, dass es eine ganz neue Art von Risiken geben wird. Einige davon können wir heute noch nicht absehen, aber viele sind jetzt bereits klar erkennbar.

 

Ein Beispiel? 

Ganz oben steht natürlich das Thema Cyber. Das findet seine Ausprägung in kriminellen Machenschaften wie etwa Erpressung, Datenmissbrauch oder in einer durch Hacker verursachten Produktionsunterbrechung. Die Kriminellen gehen mittlerweile organisiert und sehr professionell vor. 

Thomas Abel

Eine weitere Ausprägung sind Social-Engineering-Themen: „Fake President“ ist so ein Fall. Bei den meisten Unternehmen ist diese Masche mittlerweile durchaus bekannt. Kriminelle spionieren von außen Abläufe in Unternehmen aus, geben sich per Mail als Geschäftsführer aus – und manchmal gelingt es ihnen, eine Zahlung auf ihr eigenes Konto zu veranlassen. Das ist ein Vertrauensschaden-Thema, und aus unserer täglichen Beratungspraxis weiß ich, dass unsere Kunden darauf meist gut vorbereitet sind. Aber die Methoden werden ausgefeilter: Die Kriminellen wissen alles, weil sie lange unerkannt im System sind. So erfahren sie beispielsweise, dass ein Unternehmenskauf ansteht. Und dann haben sie relativ leichtes Spiel damit, E-Mails der Geschäftsführung so zu fälschen, dass beim Rechnungswesen eine falsche Zahlung in Auftrag gegeben wird.
 
Wie können sich Unternehmen davor schützen? 
In dem Maße, in dem die Verbrecher aufrüsten, sollten Unternehmen ihre Verteidigungslinien überprüfen und stärken. Der Schlüssel dazu liegt in einem professionellen Risiko-Management, flankiert von Präventionsmaßnahmen und dem richtigen Risikotransferkonzept. Außerdem sollte man den gesunden Menschenverstand einschalten und vor allem die Mitarbeiter zum kritischen Mitdenken anhalten.
 
Wenn wir mal von den Kriminellen absehen – welche neuen Risiken entstehen durch die zunehmende Automatisierung, die durch die Digitalisierung möglich wird? 
Nehmen Sie selbstfahrende Autos. Bei Pkw wird es meiner Einschätzung nach noch lange dauern, bis diese in Deutschland marktreif sind. Bei Lkw dagegen ist es eher absehbar: In einigen Jahren schon werden Sie auf der Autobahn eine Kolonne von 30 Lkw antreffen. Der voranfahrende Wagen wird eventuell noch von einem Menschen gesteuert; die übrigen Fahrzeuge sind fahrerlos. Sie beschleunigen und bremsen, wenn der erste Wagen dies tut. Da stellen sich jetzt natürlich neue und andere Haftungsfragen. Wer ist verantwortlich, wenn keiner im Lkw sitzt und es kracht? Ähnliches gilt für Busse im Nahverkehr: In wenigen Jahren sollen fahrerlose Busse durch Hamburgs HafenCity fahren. Wie sieht es mit der Haftung aus? Das sind neue Themen, die zu klären sind.
 
Wie sieht die Antwort von Funk auf Cyberrisiken aus? 
Wir bieten die Police Funk CyberSecure an. Das Wording dazu haben wir selbst entwickelt. Die Police liegt weit über dem Marktstandard, weil sie deutlich mehr Risiken abdeckt als die meisten auf dem Markt befindlichen Cyberdeckungen. Außerdem enthält Funk CyberSecure eine Beweislastumkehr – das heißt, im Schadenfall bleibt dem Kunden die Beweislastführung erspart.

 

Wie reagieren die Kunden auf diese Deckung? 

Die Nachfrage hat in den vergangenen zwölf Monaten stark angezogen, was uns zeigt, dass das Thema Cyberrisiken mittlerweile bei den meisten Unternehmen auf der Agenda der Geschäftsführung steht. Und dort gehört es auch hin, weil diese Risiken ein Unternehmen sehr nachhaltig schädigen können. 

Im Zuge der Digitalisierung werden in der Versicherungsbranche viele Arbeitsschritte an Computer übertragen. Wird der Kundenberater in der Versicherungswirtschaft mittelfristig komplett vom digitalen Kollegen abgelöst? Könnte man meinen, scheint mir aber sehr unwahrscheinlich. Bei Funk zumindest haben wir in den letzten Jahren massiv in eine komplett neue und nach modernsten Kenntnissen konzipierte IT investiert – die größte Investition unserer Firmengeschichte überhaupt! Und gleichzeitig stellen wir Leute ein – mehr als 100 allein im vergangenen Jahr. Und außerdem zeigt die Historie, dass die technische Entwicklung Jobs eben nicht so automatisch vernichtet. Vor der Industrialisierung etwa lebten wir in Deutschland ganz überwiegend von der Landwirtschaft; die Menschen hatten eine 100-Stunden-Woche. Durch die Industrialisierung sind in der Landwirtschaft natürlich viele Jobs weggefallen, dafür aber andere entstanden. Ähnlich ist es mit der Digitalisierung: Einige Jobs fallen weg, andere entstehen dafür neu. In Deutschland haben wir meines Erachtens eines der besten Bildungssysteme der Welt und sind insofern gut vorbereitet auf die sich verändernden Bedürfnisse der Unternehmen.

 

Welche Rolle wird das Persönliche künftig spielen? 

Industrieversicherung ist komplex, und eine Risikoanalyse für ein mittelständisches Unternehmen mit einem Umsatz von, sagen wir mal, 100 Millionen Euro – setzt voraus, dass man sich mit dem Unternehmen auseinandersetzt und die Branche und den Markt kennt. Entsprechend müssen Sie sehr intensiv – und sehr persönlich! – beraten. Jedes Unternehmen hat andere Risiken und eine andere Risikotragfähigkeit, daher ist jedes Versicherungskonzept individuell an die Kundenbedürfnisse angepasst und damit hochspezifisch. Wir sind verpflichtet, uns durch modernste IT-Technik auf die sich verändernde Welt einzustellen und die Kontakte zu Kunden sowohl technisch als auch persönlich auf höchstem Level zu halten. 

 

Während sich die Technik rasant entwickelt, gibt es in der Politik die rückschreitende Tendenz zur isolationistischen Politik. Viele Staaten schotten sich ab, darunter auch die USA und Großbritannien. Ein Thema für die Versicherungswirtschaft? 

Natürlich. Der Brexit hat ein kleines Erdbeben in der Versicherungswirtschaft verursacht. Schließlich ist Europas größter Versicherungsmarktplatzes in London zu Hause und der geplante Austritt aus der EU stellt die Geschäftsgrundlage vieler dort ansässiger Versicherer infrage. Insofern wundert es nicht, wenn jetzt viele Versicherer ihren Hauptsitz zum Beispiel nach Luxemburg verlegen. 

 

Was bietet Funk seinen Kunden in Bezug auf diese neuen politischen Risiken? 

Viele unserer Kunden sind im Ausland aktiv – sei es, weil sie exportieren oder im Ausland produzieren. Wir bieten daher mittlerweile umfangreiche Beratung und Dienstleistung zur Absicherung der politischen Risiken an. Ein Highlight, das die Funk Stiftung gefördert hat: Für die aus Sicht der deutschen Wirtschaft 25 wichtigsten Länder gibt es detaillierte Analysen dazu, wie sich die politischen Risiken künftig entwickeln werden. Zu den Ländern gehören die USA, Italien, der Iran und natürlich auch Großbritannien. Funk arbeitet in der Beratung mit diesen von der Funk Stiftung ermöglichten Reports, sofern das für die Kunden sinnvoll ist.

In den letzten Jahren waren viele Unternehmen von den Unwettern und Wirbelstürmen betroffen. Es hat massive Schäden gegeben. Welche Rolle spielt der Klimawandel künftig? Schätzungen von Rückversicherern zufolge sind 2017 durch Stürme, Erdbeben und Überschwemmungen Schäden von mehr als 300 Milliarden Dollar entstanden! Und solche Summen werden wohl zunehmend zur Normalität. Dass es im vergangenen Jahr im September ausgerechnet die USA massiv getroffen hat – deren Regierung den Klimawandel bekanntlich leugnet –, ist dabei eine bittere Ironie. Aber auch wenn es der US-Präsident weiterhin nicht wahrhaben will: Der Klimawandel ist unbestreitbare Realität und Unternehmen und Versicherer werden immer stärker mit den Auswirkungen konfrontiert.

 

Wenn es so viele neue Arten von Risiken gibt – fällt es Ihnen dann nicht mitunter schwer, optimistisch zu bleiben mit Blick auf die notwendigen weiter gehenden Versicherungskonzepte?

Gar nicht, im Gegenteil! Die Welt der Versicherungen war noch nie so spannend wie heute. Die Konzepte auf dem Markt sind zwar nicht immer so hochwertig, wie es angesichts der aktuellen Herausforderungen wünschenswert wäre. Aber gerade das gibt uns als Makler Raum, individuelle Lösungen für unsere Kunden zu finden. Und wenn ich erlebe, dass wir Kunden in schwierigen Zeiten exzellent beraten und diese zufrieden sind – was gibt es Schöneres?


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